„Aufgrund der steigenden Lebenserwartung und sinkender Geburtenraten (sogenannter “Demographische Wandel”) sind die notwendigerweise steigenden Versicherungsbeiträge im umlagefinanzierten Rentenmodell der arbeitenden Bevölkerung nicht mehr zuzumuten. In Zukunft wird das Rentenniveau weiter sinken und der Bundesbürger muss beizeiten privat über Kapitalgedeckte Zusatzversicherungen vorsorgen.“ Diese auf den ersten Blick einleuchtende Geschichte hören wir seit vielen Jahren von Politikern und sogenannten Rentenexperten. Doch stimmt das eigentlich, was uns aus allen Kanälen in die Ohren säuselt?Erinnern wir uns: Die umlagefinanzierte Rentenversicherung in Deutschland wurde im Jahr 1891 unter Kaiser Wilhelm II durch Reichkanzler Bismarck eingeführt. Damals betrug die weitere Lebenserwartung einer oder eines 65 Jährigen 10 Jahre (er/sie wurde also 75). In den folgenden Jahrzehnten nahm diese sogenannte “Fernere Lebenserwartung” kontinuierlich auf etwa 18 J bei Männern und 21 J bei Frauen zu. (1)

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Lizenz: (CC BY-ND 4.0)

Ein Anstieg der Ferneren Lebenserwartung bei Rentnern ist also kein neues Problem, sondern altbekannt. Doch die Finanzierungslücke bei umlagefinanzierten Rentensystemen ist erst seit etwa der Jahrtausendwende ein Thema. Warum ist das so?

 

Die stetig steigende Produktivität in Deutschland aufgrund verbesserter Produktionstechnik wurde insbesondere in der Nachkriegszeit zu einem signifikanten Teil an die Arbeitnehmer weitergegeben und führte über entsprechende Lohnzahlungen (Primärverteilung) auch automatisch zu höheren Rentenbeiträgen. Doch diese soziale Marktwirtschaft ging mit Einführung des “Bündnis für Arbeit” (2) unter den Kanzlern Kohl (CDU) und Schröder (SPD) zum Jahrtausendwechsel zu Ende.

Der durch Gerhard Schröder unter Hinweis auf den globalen Wettbewerb forcierte Druck auf die Löhne führte zu einem der größten Niedriglohnsektoren Europas und binnen zwei Jahrzehnten zu einem zusätzlichem Renditeaufkommen der Kapitalseite von mindestens 2,4 Billionen Euro.  Ein Teil dieses Geldes hätte ansonsten der Rentenversicherung zur Verfügung gestanden.

In der Folge mußte das Rentenniveau auf unter 50% des letzten Nettolohns  abgesenkt, sowie das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre erhöht werden.

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(Abbildung: www.maskenfall.de)

Doch sehen wir uns einmal genauer die Anlegerseite an: Wem kommen die über die bisherige Rendite hinausgehenden, zusätzlichen  2,4 Billionen Euro Profit denn zugute?Nun, leider nur zum geringen Teil Deutschen Investoren, denn mittlerweile gehören zwischen 58% und 83% (3) der Anteile deutscher Unternehmen dem Ausland.

Infografik: Wem gehört der Dax? | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Bei den ausländischen Anteilseignern führen die drei großen institutionellen angelsächsichen Investoren  Blackrock, Vanguard und State Street mit weitem Abstand.(4) Zusammen verwalten die drei Großen Investoren etwa 15 Billionen US Dollar! Neben Staatsfonds gehören hierzu vor allem Gelder aus Pensionsfonds der Vereinigten Staaten.

Und hier schließt sich der Kreis: Die SPD geführte Bundesregierung hat die hiesige, seit Jahrzehnten bewährte, umlagefinanzierte Rente ruiniert, um angelsächsischen Großinvestoren zu Traumrenditen zu verhelfen. Diese finanzieren wiederum die Rente z.B. NewYorker Lehrer – aber zweigen einen Gutteil auch für sich selber ab- in Form von Boni und Dividenden für Blackrock Inhaber und deren Manager.

Ein schönes System – nur nicht für deutsche Arbeitnehmer!

 

Quellen und weiterführende Hinweise:

1.) Gleichzeitig nahm die Kinderzahl pro Frau ab ca 1900 kontinuierlich ab, allerdings auch initial die Gesamtsterblichkeit, sosaß das Bevölkerungsniveau unter Berücksichtigung der Wanderungsbewegungen von ca 50Mio in 1991 anstieg und seit etwa 1970 gleich bleibt (ca 80Mio).  siehe https://www.bib.bund.de/DE/Fakten/Fakt/F11-Endgueltige-Kinderzahl-ab-Jahrgang-1865.html;jsessionid=6CC3CF08A39F0C0A56252FCAD40F1A85.1_cid380?nn=9991998.

Und: https://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61532/bevoelkerungsentwicklung

2.) Bündnis für Arbeit: https://www.welt.de/print-welt/article652443/Pakt-fuer-mehr-Beschaeftigung.html

3) Es gibt hier unterschiedliche Statistiken mit stark streuenden Zahlen.

4) Mehr bei Norbert Häring: