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Im Zuge der Neuordnung des Balkans nach dem siegreichen Krieg der Balkanallianz (Serbien, Griechenland und Bulgarien) im Jahre 1912 unterstützte das Deutsche Reich Österreich in seinem Bestreben, das von Russland unterstützte Serbien vom Mittelmeer abzuschneiden. Grund war natürlich das Kleinhalten möglicher geopolitischer Konkurrenten. Obwohl Kaiser Wilhelm II dem Selbstbestimmungsrecht der Balkanstaaten sehr aufgeschlossen gegenüberstand,  sah sich die Reichsregierung unter Bethmann-Hollweg aus bündnispolitischen Erwägungen an der Seite Österreichs.
Trotz dieser ambivalenten Haltung erfolgte Anfang Dezember 1912 eine scharf formulierte und provokante Solidaritätserklärung mit der Donaumonarchie an die Adresse Russlands. Die scharfe Retourkutsche Englands, das um das Gleichgewicht der Großmächte fürchtete, führte zu einem panikartig zusammengerufenen „Kriegsrat“ der Militärs des Deutschen Reiches am 8. Dezember 1912. Da zumal Wilhelm, inspiriert von den Schriften H. S. Chamberlains vom unvermeidlichen Endkampf der slawischen und germanischen Rasse überzeugt war, wurde von den versammelten Militärs das Kriegsszenario mit Russland eingehend diskutiert. Der Chef des Generalstabes, Helmuth von Moltke plädierte dafür, diesen großen Krieg schon jetzt zu führen: „Ich halte einen Krieg für unvermeidbar und je eher, je besser.“ (Anm.: Dtld. wähnte sich durch einen Rüstungsvorsprung im Vorteil) „Wir sollten aber durch die Presse besser die Volkstümlichkeit eines Krieges gegen Rußland im Sinne der Kaiserl. Ausführungen vorbereiten.“

Admiral Tirpitz widersprach in dieser Runde einem Präventivkrieg, „da die Flotte noch nicht fertig sei“. Und so verlief die Sitzung glücklicherweise im Sande. Die Reichsregierung betrieb ihr bündnispolitisches Vabanque Spiel jedoch weiter und so vergingen nur noch knapp 2 Jahre bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges 2014.

Von 13 Millionen Deutscher Soldaten, die ins Feld zogen, kehrten 2 Millionen nicht mehr zurück. Die Blockade gegen die Mittelmächte führte alleine in Deutschland zu 424.000 Hungertoten, die geschwächten Menschen wurden 2018 durch die Spanische Grippe um weitere ca. 250.000 Opfer dezimiert.

Ich meine: Wer unablässig Nachbarstaaten provoziert anstatt zur Ausräumung von Spannungen das Gespräch zu suchen, hat den Geschichtsunterricht verschlafen oder sollte sich dringend in ärztliche Behandlung begeben.

Quelle und Literatur:

Wolfgang J. Mommsen „War der Kaiser an allem schuld?“ Wilhelm II. und die preussisch-deutschen Machteliten. Ullstein Taschenbuch 2005

 

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