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Kein Euro, keine Freizügigkeit (UK ist nicht im Schengen-Raum), kein Fiskalpakt. Warum zum Teufel dann der EXIT? Das Unverständnis hierzulande ist mit Händen greifbar. Nach den Regeln der Marktreligion schadet sich der Homo Ökonomicus Brittanniae doch nur selbst. Was Pfennigfuchsern vom Schlage eines Wolfgang S. jedoch fehlt, ist der historische Kontext und das Verständnis für nationale Empfindlichkeiten…

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Insbesondere viele ältere Briten haben für „Leave“, also den Austritt aus der EU gestimmt, so heisst es. Nun, bestimmt nicht, um den Jungen zu schaden, von denen ein Großteil nicht wählen ging. Aber viele von ihnen haben noch die Geschichten im Kopf, die ihnen die Eltern erzählt haben, von zwei Weltkriegen, der Luftschlacht um England, von Größe und Fall des Britischen Imperiums. Und nun? Ein Peripherie-Land im Deutsch-dominierten EU Imperium in dem Pfennigfuchser und Provinzpolitiker aller Couleur den Ton angeben. Und so berichtet Francis Coppola von einer Stimmungslage, die sicher nicht allein ausschlaggebend war, aber wohl ihren Beitrag geleistet hat: Für viele Briten ist es einfach zu viel, dass Großbritannien zu einem Vasallenstaat des neuen, von Deutschland regierten europäischen Imperiums geworden ist. Griechenland lässt grüssen!

Gestern erzählte mir meine Nachbarin, warum sie (und ihre Familie) für den Austritt gestimmt hat. „Es war meine Mutter“, sagte sie. „Sie hat mich daran erinnert, dass wir zwei Kriege gekämpft haben, um nicht von den Deutschen regiert zu werden. Jetzt sagen sie uns, was wir zu tun haben.“ Und weiter: „Das war für mich der entscheidende Faktor.“

Laut Frau Coppola ist das natürlich nicht primär den einfachen Deutschen anzulasten, die sich eher von ihrer machthungrigen Elite und dem Rest der krisengeschüttelten EU zur Führung gedrängt sehen, als das ihr eigentliches Ziel ist.

„Ob Deutschland überhaupt eine Imperialmacht sein will, ist dabei irrelevant. In den Augen vieler älterer Briten ist die heutige EU genau jenes Deutsche Reich, von dem sie dachten, sie hätten es zerstört, und das sich jetzt wie Phoenix aus der Asche der Finanzkrise erhoben hat. Kein Wunder, dass sie für den Austritt gestimmt haben. Sie wollen eben kein Teil einer solchen Monstrosität sein. Und sie hoffen außerdem, dass sie es durch ihren Austritt zerstören. Es ist sehr deutlich geworden, dass einige Brexit-Unterstützer glauben, dass die EU den britischen Austritt nicht überleben wird – und schadenfroh ihre Auflösung erwarten.“

Mit dem Wunsch das Monstrum möge zerfallen sind diese Briten wirklich nicht allein. Ob im Gegenzug allerdings das British Empire wieder auferstehen wird, wie einige ältere Elitebriten hoffen, das ist allerdings sehr zu bezweifeln.

Bild: Wikimedia Commons, Public Domain.

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