Schlagwörter

, , ,

…umschreibt ein Geräusch von schnell aneinander stoßenden Metallteilen. Gerne nimmt man das gleichlautende Musikinstrument, um kleine Kinder zu beruhigen. Aggressiv tönt es jedoch bei Kriegsgerät: Aussenminister Frank-Walter Steinmeier warnte kürzlich die NATO vor Säbelgerassel. Damit fuhr er sich sofort heftige Kritik aus rechten Gefilden ein. Doch was ist dran am Gockeln der NATO und an der Gefahr aus dem Osten?

Glaubt man dem Leitartikel (kostenpflichtig) von Mathias Brüggmann im Handelsblatt, stehen  Putins Panzer bereit zum Angriff. Entschieden weist er den Rat Steinmeier zurück: „Davon zu sprechen, die Nato solle nicht mit „Säbelrasseln und Kriegsgeheul“ Russland provozieren, ist ziemlich infam. Gerade angesichts der Tatsache, dass Russland Panzerketten rollen ließ in der Ukraine.“  Damit referenziert Brüggmann die Hofgeschichtsschreibung, in der die Ukrainekrise mit der Sezession der Krim beginnt. Wir erinnern uns: Die nach Ukrainischem Recht illegale Abspaltung der Krim war Folge des von den USA mit Duldung der EU geförderten Putsches in Kiew, der rechtsnationale Kräfte an die Macht brachte. An dieser Stelle sei auf die ausgezeichnete Darstellung von Peter Becker zum Ablauf der Ukraine Krise verwiesen. Bei der ganzen Geschichte hat Moskau wohl schützend die Hand über seine Landsleute und Marinebasen gehalten (wie der Westen über die Junta in Kiew), steht nun aber trotz konstruktiver Mitarbeit am Minsker Abkommen als alleiniger Buhmann da. Insbesondere die Osteuropäischen Länder geben sich heute als Scharfmacher. Woher rührt nun die sichtbare Angst der osteuropäischen Staaten, namentlich Polens und der baltischen Länder? Ich vermute eher aus historischen Traumata und innenpolitischer Schwierigkeiten:

Polens Horror ist es nach wie vor, zwischen zwei Gr0ßmächten- nämlich Deutschland und Russland- zerrieben zu werden. Das Schicksal des Landes unter der polnischen Teilung zwischen Preußen und dem zaristischen Russland ist wohl noch genauso präsent wie die Zeit in- und nach dem zweiten Weltkrieg als nach einer schrecklichen NS Besatzungszeit das komplette Staatsgebiet nach Westen verschoben wurde und wieder von einer Großmacht – diesmal der Sowjetunion- besetzt blieb. Das Muskelspiel Berlins als angehende Hegemonialmacht in der EU wirkt da auf die polnische Seite auch nicht gerade vertrauensfördernd. Umso mehr erklärt sich die Anlehnung Polens an die USA als mögliche Schutzmacht vor Deutschland und Russland.

Und die Balten? Wer würde denn einen Krieg für einige Quadratkilometer Sumpfland riskieren? In den drei Balkanstaaten wird mehrheitlich russisch gesprochen. Bürger mit russischer Herkunft stellen einen Großteil der Bevölkerung. Zusammen mit dem Trauma der Jahrelangen sowjetischen Besatzung ist daher die Angst vor Autonomiebestrebungen der russischstämmigen Minderheit a la Krimreferendum sicher ein guter Grund für eine antirussische Haltung und die sehr NATO-freundliche Politik.

Was nun die Russen betrifft, so wurden diese von den USA als dominierende Kraft innerhalb der NATO nach dem Fall des eisernen Vorhangs regelrecht über das Ohr gehauen. Friedensnobelpreisträger Gorbatschow wahr so naiv dem Versprechen von der Nichtausbreitung der NATO nach Osten Glauben zu schenken. Der Westen sind ja die Guten, oder? Dabei gehört die Einkreisung Russlands – vorangetrieben von einem polnischen Präsidenten-Berater namens Brszinski- seit Jahrzehnten zur Politik der USA. US-Truppen stehen mittlerweile an der russischen Grenze und Raketensysteme werden in Bulgarien und Rumänien aufgebaut.

Russia-wants

Doch sich zu wehren wäre zwar prinzipiell verständlich, in Zeiten von Atomwaffen jedoch so selbstmörderisch wie auch konventionell ein aussichtsloses Unterfangen. Die Kräfteverhältnisse: Die USA alleine sind für mehr als ein Drittel der gesamten weltweiten Rüstungsausgaben verantwortlich. 596 Milliarden Dollar haben sie letztes Jahr fürs Militär ausgegeben, Russland 66,4 Milliarden Dollar. Die Nato-Staaten zusammen rund 905 Milliarden Dollar. Die Nato gibt also zusammen mehr als 13-mal so viel für Rüstung aus wie Russland, muss dafür aber einen viel geringeren Teil ihrer Wirtschaftskraft einsetzen.

Für mich ist nach dieser Datenlage der Aggressor klar. Anstatt sich an einen gemeinsamen Tisch zu setzen um die Lösung der Ukraine Krise zu debattieren, zu besprechen, was für die Sicherheit der Balten und Polens zu tun ist und wie Europa demilitarisiert werden kann, schickt die NATO lieber 4 weitere Bataillone ins Baltikum. Doch ich werde das Säbelrasseln zähneknirschend dulden, denn ich weiss: Deutschland ist immer noch von etwa 40,000 Mann US Truppen in 179 US Stützpunkten besetzt.

Disclaimer: Der Autor hatte nie Kontakt zum Propaganda-Ministerium in Moskau. Er hat für diesen Artikel kein Geld bekommen (von wem auch immer), der Autor hat treu in einer Panzerdivision der NATO gedient, seine Eltern mussten vor dem Zugriff der Sowjets nach Westdeutschland fliehen. Es bestehen keine wirtschaftlichen Verbindungen mit Russland.