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Die Besichtigung des Tatorts gehört für jeden Kriminalisten zur Selbstverständlichkeit. Zumindest, wenn er den Fall aufklären möchte. Wir vertrauen aber meist unbesehen den Geschichten, die uns von offizieller Seite über so manche Krisenregion erzählt werden. Wäre es da nicht schlau, selbst nachschauen zu können?

Zum Teil ist das ja überhaupt nicht schwer, wie zum Beispiel die Tour des Wirtschaftsjournalisten Thorsten Hild durch Südeuropa zeigt. Etwas Zeit und Offenheit muss allerdings mitgebracht werden. Zum anderen Teil ist an einen Besuch vor Ort gar nicht zu denken. Wer möchte sich derzeit schon nach Syrien wagen? Oder es gibt viel banalere Gründe wie zum Beispiel Unstimmigkeiten zu Urlaubszielen in der Beziehung.

Doch da gibt es Lösungen, schließlich gibt es immer Landsleute, die aus beruflichen Gründen, Interesse oder anderen Beweggründen längere Zeit in Krisenregionen verbracht haben und ihre Eindrücke in unabhängigen Medien veröffentlichen. Freilich sind diese Personen auch eigenen Interessen unterworfen bzw. verallgemeinern aus einer Teilperspektive heraus. Nichtsdestotrotz können solche Berichte, offen aufgenommen aber kritisch hinterfragt ein extrem wertvolles Korrektiv für die Bewertung der offiziellen Geschichtsschreibung via ARD/ZDF/WELT/SPIEGEL/FAZ/SZ/ZEIT sein. Als weiterer „Entzerrspiegel“ ist für den sprachlich Kundigen die Auslandspresse einen Blick wert. Englisch ist natürlich erste Wahl, also ruhig mal einen Blick in den Guardian werfen oder in die NY Times oder den Economist. Alle haben so ihre politische oder wirtschaftliche Schlagseite, dennoch kann ein Blick von aussen das eigene Denken enorm anregen. Und seien wir ehrlich: Manche Themen werden hierzulande ja geradezu negiert, ich denke da nur an den Deutschen Handelsüberschuss.

Als kleine Anregung hier einige Verweise zu Seiten, die mir kürzlich als  lesenswert aufgefallen sind:

Gert Ewen Ungar ist die sehr einseitige Berichterstattung zu Russland aufgefallen und er hat persönlich mehrmals vor Ort nachgesehen. Seine Texte finden sich auf seinem eigenen Blog.

Martin Rothweiler schreibt bei Flassbeck zum wirtschaftspolitischen Aufwachen der Italiener aus dem merkantilistischen Eurodunst.

Die Syrienkennerin Karin Leutefeld beschreibt in ihrem Film mit Markus Matze „Was vom Kriegen übrig bleibt“  die heutige Situation im Irak.Die Filmemacher begleiten einen Arzt, der die Landbevölkerung in den südirakischen Sümpfen versorgt. Sie sprechen mit Medizinern und Wissenschaftlern, die den Anstieg der Krebsraten nach Einsatz westlicher Uranmunition dokumentieren und treffen einen ehemaligen US-Soldaten, der beim Angriff auf die irakische Stadt Falluja eingesetzt war.

Bezeichnenderweise strahlte die ARD diesen Film nach 23:30 aus. Fast schon ein Qualitätskriterium!

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