Schlagwörter

, ,

…ist die goldene Regel der Konfliktlösung. Ob nun in der eigenen Beziehung, zwischen einzelnen Staaten oder zwischen Bevölkerungsgruppen. Deshalb gilt es genau dort aufzupassen, wo viel über den anderen, aber wenig mit ihm geredet wird. Ein Beispiel ist Herr Seehofers Reise nach Moskau zu einem Gespräch mit Putin (Gottseibeiuns!) oder die aktuell alle Schlagzeilen beherrschende Flüchtlingskrise. Da wird besonders viel über die geredet, die darüber reden, aber wenig mit den Betroffenen selbst.

Dabei hatte ich schon in einem Posting vom 8. November auf die Wichtigkeit von Gruppenkontakten hingewiesen: „Denn interessanterweise scheint die einzige notwendige Bedingung für Vorurteil und Rassismus die Einteilung der Bevölkerung in Gruppen zu sein. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich diese Gruppen im Wettbewerb miteinander befinden, oder nicht. Da meist genauere Informationen über die jeweils andere Gruppe fehlen, werden Annahmen generalisiert als Gruppenvorurteile angenommen. Kontakte zwischen Mitgliedern der jeweiligen Gruppen können also Vorurteile abbauen und Rassismus vorbeugen, da hierdurch evtl. Falschannahmen korrigiert, und das Einfühlungsvermögen verbessert wird.“

Über ihre praktischen Erfahrungen in der Kommunikation mit Flüchtlingen  berichtete jüngst Frau McClean Allen auf Telepolis: „Ich habe in den letzten Tagen eine Schreibwerkstatt mit jugendlichen Flüchtlingen geleitet, die schon einige Deutschkenntnisse erworben haben. In ihren Texten finden sich Sätze, die selbst den hartherzigsten „Flüchtlingsgegner“ zum Innehalten bringen dürften. Zumindest müsste man schon ein emotionaler Voll-Legastheniker sein, um hier nicht wenigstens ins Nachdenken zu kommen. Der Leiter der Einrichtung erzählte mir von einem Pegida-Fan, der täglich Hass-Mails gegen Flüchtlinge im Internet geschrieben hatte. Dieser Mann wurde zu einer Teilnahme an einer Zusammenkunft mit Flüchtlingen überredet. Nach nur zwei Stunden hatte er sich radikal gewandelt und sich für sein bisheriges Gebaren entschuldigt.

Das ist weder unglaubwürdig noch ein großes Wunder. Es bestätigt nur bekanntes psychologisches Wissen: Eine wesentliche Ursache für Hass ist die Projektion eigener Ängste auf fremde Menschen. Ein naheliegender Weg, diese Projektion aufzulösen, ist es demzufolge, reale Begegnungen zu schaffen, die das projizierte Bild revidieren lassen.“

Die Frage liegt dann natürlich auf der Hand und wird von der Autorin auch deutlich formuliert: Warum lassen unsere Medien überwiegend nur die eine Seite sprechen? Warum geht der Sermon des berühmten Pegida-Opas aus Dresden zum gefühlten tausendsten Mal über den Sender. Warum wird da nicht ein einziger O-Ton eines typischen jungen Flüchtlings dagegen gesetzt? Es gibt nun wirklich genügend, die inzwischen gut genug Deutsch können.

Da schleichen sich doch Zweifel ein, ob eine Annäherung zwischen den sogenannten Wutbürgern und Flüchtlingen wirklich politisch gewollt ist. Flüchtlinge könnten ja im wahrsten Sinne des Wortes Horizonte erweitern. Sie könnten dem Asyl-Gegner, der um die Kürzung seiner Sozialleistungen fürchtet, von Nichten und Neffen erzählen, die als Folge radioaktiver Munition der US- oder NATO-Armeen an Krebs leiden und aufgrund unserer Embargos so gut wie keine medizinische Hilfe zu erwarten haben. Den Wutbürgern könnte klar werden, dass die Staatskassen für Militäreinsätze im Ausland viel mehr Geld übrig haben als für den bedürftigen Bürger im eigenen Land, oder dass mit Hilfe seiner Steuergelder unermessliches Leid angerichtet wird. Was wäre, wenn plötzlich beide Gruppen erkennen, dass sie sich gegenseitig im Kampf um menschenwürdigere Verhältnisse unterstützen könnten?

Also fassen Sie sich ein Herz und reden Sie einmal mit den Flüchtlingen. Wenn Sie sich scheuen, suchen sie den Kontakt zu Ehrenamtlichen Helfern und begleiten diese einen Tag bei ihrem Einsatz. Halten Sie Augen und Ohren offen und reden Sie am Abend mit den Helfern beim Bier über ihre Arbeit. Keine Sorge, sie werden nicht missioniert und sehr wahrscheinlich wird auch nicht alles rosarot dargestellt. Ich fand die Gespräche und Erzählungen meiner Frau, die sich in der Flüchtlingshilfe engagiert immer sehr interessant. Ich verstehe nun besser, die Flüchtlinge und ihre, aber auch unsere Probleme!

Noch zu aufwändig? Es gibt bestimmt einiges zu Finden im Netz der Netze. Nicht nur Hasspostings. Fangen Sie doch einfach mit dem Originaltext am Ende des Artikels von FrauMcClean Allen an. Es lohnt!

Advertisements