Schlagwörter

, ,

Falsch angelegtes Vermögen ist Schuld an der wachsenden Ungleichheit in Deutschland. Das legt zumindest eine Analyse der Bundesbank nahe, die heute im Handelsblatt publiziert wurde. 

Die Ergebnisse der bereits 2014 durchgeführten Befragung von 4500 Haushalten: “Obwohl die Zinsen in den Keller rauschten und Aktien und Immobilien kräftig an Wert zugelegt haben, blieb das Anlageverhalten der deutschen Haushalte nach wie vor eher konservativ. Ihre Lieblingsanlage war das Sparbuch: Fast drei Viertel besaßen 2014 eines (72 Prozent der Haushalte)”, so die Bundesbank. Und weiter: “An riskantere Anlageformen wie Immobilien und Aktien wagten sich hingegen vor allem vermögende Haushalte. Das heißt: Sie waren auch die Nutznießer der stark steigenden Kurse im Untersuchungszeitraum.” Und dann: “Viele Ökonomen führen den Anstieg der Aktien- und Immobilienpreise auf die Niedrigzinspolitik der EZB zurück. Möglicherweise könnte dadurch die Ungleichheit zunehmen. Vor allem wer Häuser, Wohnungen und Aktien besitzt, konnte sein Vermögen in den vergangenen Jahren tatsächlich mehren, so ein Ergebnis der Studie.”

Also ist nach Meinung der Bundesbank nicht die empirisch gesicherte Lohndrückerei im Zuge der Schröderschen Agenda Politik Schuld an der wachsenden Ungleichheit in Deutschland (bei gleichzeitig geradezu explodierten Gewinnen der Unternehmen), sondern die EZB samt der falschen Anlagepolitik der Bürger. Selbst Schuld sozusagen.

Das natürlich die minimalen Beträge der Geringverdiener eher auf dem Sparbuch landen als im Immobilienbesitz oder gar im Aktiendepot wird nicht erwähnt. Dieses absonderliche Beispiel von “Analyse” könnte man nun als schräge Anekdote abhaken, würde der Text nicht perfekt in eine derzeit laufende Kampagne passen: Heiner Flassbeck sind augenscheinlich koordiniert auftauchende Artikel zum Thema in wichtigen Mainstreammedien aufgefallen, die Ungleichheit mit allem möglichen in Verbindung bringen, nur nicht mit Lohndrückerei. Ganz nach dem Motto: Thema aufgreifen und falsche Fährten legen.

Denn nach einem Bericht der Nichtregierungsorganisation Oxfam besitzen die reichsten 62 Menschen der Welt zusammen genauso viel Vermögen wie die 3,5 Milliarden ärmsten Menschen. Dabei konnten die 62 Hyperreichen in nur 5 Jahren einen gewaltigen Wohlstandszuwachs von einer halben Billion Dollar verbuchen (8 Milliarden mehr pro Person). Das Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung ist hingegen in den vergangenen fünf Jahren um rund eine Billion US-Dollar geschrumpft – obwohl die Bevölkerung in dieser Zeit erheblich zugenommen habe. Das sollte aber eigentlich nicht sein, denn nach der herrschenden Lehre sollte ja zumindest ein kleiner Teil des Reichtums auch für die Ärmeren abfallen und den allgemeinen Wohlstand heben (Trickle down effect). Oxfam folgert daher weiter: Es ist eine „Weltwirtschaft für das eine Prozent“. Diesem „einen Prozent“ gehöre faktisch bereits mehr an Vermögen als den restlichen 99 Prozent der Menschheit. Und es macht keinen Unterschied, ob die Superreichen aus demokratischen Ländern oder Diktaturen kommen. Es sind Unternehmer, Investoren, Oligarchen, Prinzen oder schlicht Erben.

Da kann eine öffentliche Diskussion schnell gefährlich für die Elite werden. Zeit also für die Spin-Doktoren und ihre PR Agenturen. Da macht es dann auch nichts, wenn die Bundesbank in der Eile alte Daten von 2014 aufwärmen muss.

 

 

Advertisements