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Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat entschieden, das umstrittene Standardgewehr der Bundeswehr “G36” auszumustern, wie das Handelsblatt am 8.9.2015 berichtete. Grund seien Konstruktionsmängel, die zu einer Überhitzung und daraufhin schlechter Trefferlage im Einsatz führen, so die Begründung des Ministeriums. Ein Versagen der Ingenieure? Korruption im Beschaffungswesen? Aber halt: Warum fallen die Mängel erst etwa 15 Jahre nach der Einführung bei der Truppe und zwei Kriege später auf und warum beklagt sich ausschließlich Deutschland als einziges von 34 Nutzerländern (u.a. USA, UK, Frankreich, Spanien…) über die schlechte Trefferlage? Sogar erfahrene US-Marines lobten das G36 (1).

Laut einer durchgesickerten internen Untersuchung des Bundesverteidigungsministeriums resultieren die allgemeinen Klagen über das Gewehr aus einem Fall von unsachgemäßer Verwendung in Afghanistan sowie einem fragwürdigen Test ausserhalb der Spezifikationen unter Verwendung ungeeigneter Hochrasanz-Munition. Die Bundeswehr selbst fand in Tests keine Auffälligkeiten sondern führte etwaige Problem mit der Trefferlage auf einzelne Munitionschargen zurück. Die Qualitätspresse ging diesen Hinweisen jedoch nicht nach, sondern blieb bei der offiziellen Version von Konstruktions bzw. Fertigungsmängeln.

Schließlich belegte die Herstellerfirma Heckler und Koch in einem ausführlich dokumentierten Test im Vergleich zur AK47 die Tauglichkeit des G36 und scheint bei Berücksichtigung aller Fakten wirklich geliefert zu haben, was damals bestellt wurde. Doch warum dann die ganze Aufregung?

Jens Berger untersuchte die Affäre ebenfalls und brachte auf den Nachdenkseiten zwei mögliche Hypothesen in die Debatte ein: Entweder sollte eine wesentlich leistungsfähigere Waffe als das vorhandene Wehrpflichtigengewehr für die neue Deutsche Interventionsarmee durch die Hintertür angeschafft werden, oder einflußreiche Investoren hatten es via “Rufmord” auf den verschuldeten Rüstungsbetrieb im Schwäbischen abgesehen.

Erinnern wir uns: Das G36 wurde Anfang der 90er Jahre direkt nach dem Mauerfall als Ersatz für das in den 50ern beschaffte G3 der Bundeswehr entwickelt. Das Gewehr sollte in beträchtlichen Stückzahlen möglichst preisgünstig beschafft werden. Eine einfache Bedienung und geringes Gewicht war für die damals noch bestehende Landesverteidigung durch Wehrpflichtige gefordert. Hinsichtlich der Leistungsdaten (Einzelfeuer/Feuerstoß, Mündungsgeschwindigkeit) orientierte man sich offensichtlich am G3 der Bundeswehr. Eine Einführung der kostengünstigsten Lösung, des aus DDR Beständen verfügbaren russischen AK47 kam wohl aus politischen Gründen nicht infrage. Die Einführung der neuen Standardwaffe erfolgte dann ab 1997, also noch vor dem ersten Kriegseinsatz im Rahmen des völkerrechtswidrigen Kosovo-Krieges 1999.

Dank von Guttenberg ist die Wehrpflicht seit Juli 2011 Geschichte (fast. Sie ist ausgesetzt, nicht komplett abgeschafft…) Seit der Münchner Sicherheitskonferenz 2014 wird nun Deutschland wieder darauf vorbereitet, “mehr Verantwortung in der Welt” zu übernehmen, was auch bedeutet, militärisch zu intervenieren. Darüber hinaus forderte die Nato im Zuge des Ukraine-Konfliktes Ende 2014 mehr Geld für die Rüstung. Eine Forderung, die den – glaubt man Umfragen – nach wie vor friedliebenden Deutschen Bürgern nur schwer zu vermitteln ist. Aber zeitlich passend tauchten in der Folge immer mehr Presseberichte über veraltetes und untaugliches Deutsches Kriegsgerät auf. Nun also noch das G36. Komisch auch, daß eine Nachbesserung des G36 kategorisch abgelehnt und von vornherein eine Neuentwicklung favorisiert wird.

Also doch ein Höchstleistungsgerät via Neuausschreibung für die Profis der neuen Interventionstruppe? Noch ist nichts bewiesen, aber die nächsten Monate werden es zeigen. Schade nur, daß unsere Regierung mit dieser Affaire so oder so wieder einmal ein Stück Bürgervertrauen verspielt hat.

(1) Nutzerkommentar von Hayes Griffith

“As an Infantry Marine(Wpns Co 1/5), combat veteran of the Middle East, law enforcement, tactical team office, it has been my experience that the M16/M4 is a high maintenance turd that should be retired. It makes a fine law enforcement weapon, but not a front line combat weapon. Say what you will, but that’s what years of use and thousands of rounds down range have taught ME. I stress that this has been my experience and may not be the same for everyone else. I know that there are also hundreds of other vet’s out there who actually carried this weapon out in the field that agree with me.

Fortunately, I worked for a federal agency that issued the G36 and was able to spend a great deal of time working with it. The only complaint I could find with this rifle was 1) the magazine connector tabs would occasionally break and you could no longer get that cool guy look with two mags stuck together and 2) the buttstock was a little too long for body armor. That’s it. In every other respect it always proved to be a more reliable and lower maintenance weapon than the M16 family of weapons. I cannot ever remember any G36 ever having a jam or a parts breakage. This includes full auto strings of fire. The accuracy of both weapons was comparable no matter how many rounds had been fired down range. So I think the barrel issue is a poorly fabricated lie. The only major failure that I can remember, is when we torture tested the weapon and ran magazine after magazine through one on full auto. After hundreds of rounds we melted the front handgaurd off, but since they are easy to replace we didn’t consider this a big deal. You can melt the gas tube off of an M4 in less rounds than it took to melt the polymer handguard off of a G36. It’s a quick fix to replace a handguard on a G36, but an M4 is going to the armory to get another gas tube. On top of that, the G36 will still function with no handguard.

Given the choice, I would reach right past an M4 for a G36C with a 3x ACOG any day of the week. Just my opinion.”