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in allen Medien sieht man dieser Tage wieder grün getarnte Männchen und schweres Kriegsgerät, gern hübsch drapiert mit unserer fotogenen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Die NATO übt die Abwehr von Angriffen in Osteuropa heisst es, und ich lese im Handelsblatt:Die Nato-Krisentruppe soll auf 40.000 Soldaten anwachsen und der Generalsekretär fordert höhere Verteidigungsausgaben.

Ja und jetzt stationieren die USA noch schwere Waffen im Baltikum. Ich erschrecke: Geht es wieder an die Ostfront, hätte ich die letzten Tage mehr Zeitung lesen sollen?

Nein, so schlimm ist es noch nicht: „Diese Stationierung soll lediglich die Partner an der Ostflanke der Nato beruhigen, die Übergriffe nach dem Vorbild des russischen Vorgehens in der Ukraine befürchten,“ lese ich. Also dann, Vorbild Ukraine: Die Russen liegen auf der Lauer und warten geduldig, bis in Litauen die gewählte Regierung durch eine US- und EU aufgebaute Opposition weggeputscht wird. Die an die Macht gekommenen Rechten verbieten die russische Sprache und agitieren gegen die russische Minderheit in Litauen. Diese proklamieren die Selbstverwaltung, was die Regierung in Wilna nicht akzeptiert. Es kommt zu gewalttätigen Ausschreitungen. Russland unterstützt die bedrängten Russen durch Nahrung- und Waffenlieferungen… Eine Anschluß wie damals die Krim geht leider nicht, Kaliningrad ist bereits Russisch. Hmmm. Das analoge Szenarium finde ich jetzt nicht sehr realistisch.

Da fällt mir auf: was macht eigentlich die NATO im Baltikum? Hatte die NATO nicht damals nach dem Ende der UDSSR, der Wiedervereinigung und der Auflösung des Warschauer Paktes auf eine Ausdehnung nach Osten verzichtet? Ich muss unwillkürlich an die satirische Karte mit den eingezeichneten NATO bzw US Stützpunkten rund um Russland denken und  der Überschrift: „Russia wants war! Look how close they have put their country to our military bases!“ (Russland will Krieg! Schau wie nah sie ihr Land an unsere Militärbasen gerückt haben!)

Warum also dieses Säbelrasseln? Ich lese weiter- diesmal im Spiegel: „Was die Regierung braucht, ist der Effekt der Mobilisierung der Bürger gegen vermeintliche Feinde. Was bliebe denn, fiele die Bedrohung von Außen weg? Eine korrupte Elite, der jegliche Strategie zur Modernisierung des Landes fehlt.“

Chapeau! Das ist des Rätsels Lösung. Und welch schöne Beschreibung der GroKo (Merkel-Regierung)!

Doch dann, ich erschrecke: Der Autor meint die Russische Regierung! Und er zeichnet ein Bild vom kalten Aggressor im Osten, der sein Volk in den Niedergang führt: „Putin hat sich gegen notwendige Reformen entschieden. Er hat stattdessen die Mobilisierung der Gesellschaft (durch Aufbau des Feindbildes „Westen“ Anm.d.A.) gewählt, um von seiner verfehlten Wirtschaftspolitik abzulenken.“ Oh, soviel ich weiss, hat Putin Russland nach der verheerenden Ära Jelzin wirtschaftlich wieder aufgebaut. Waren das nicht in letzter Zeit die Sanktionen, Öl und Währungsspekulationen, sowie der Abzug von Investitionen durch das westliche Ausland, die….. Na lassen wir das.

Wer ist überhaupt der Autor des Artikels? Stefan Meister von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin. Klingt doch seriös, oder? Kurz gegoogelt: Die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik ist Teil des Transatlantic Policy Network (TPN), im Präsidium sind vertreten: Elmar Brok, Berater der Bertelsmann SE; Wolfgang Ischinger, Organisator der Münchner Sicherheitskonferenz und Mitglied des Vorstands der Atlantik-Brücke, Mitglied der Trilaterale Kommission; Eckart von Klaeden, Mitglied des Vorstands der Atlantik-Brücke, Mitglied des Beirats von Atlantische Initiative; Mißfelder, Atlantikbrücke; Weiss, Trilaterale Kommission, etc pp. Also ein astreines transatlantisches Kaffeekränzchen! Da hätte man gleich die Presseinfo des State Departments abdrucken können.

Zurück zum Handelsblatt: „Angesichts des Konflikts müsse die Nato nach Überzeugung von US-Militärs auch um die Deutungshoheit der Ereignisse kämpfen. „Es ist wichtig, dass sich der Westen dem Wettbewerb auch im Informationsraum stellt“, sagte der Kommandeur der US-Truppen in Europa, Generalleutnant Ben Hodges, der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Alles klar!

Gehen wir mal abschließend viele Jahre zurück, bis zu den Nürnberger Prozessen, und lassen wir mal einen Fachmann im Kriegstreiben zu Wort kommen: “ … Nun, natürlich, das Volk will keinen Krieg“, sagte Göring achselzuckend. „Warum sollte irgendein armer Landarbeiter im Krieg sein Leben aufs Spiel setzen wollen, wenn das Beste ist, was er dabei herausholen kann, dass er mit heilen Knochen zurückkommt. Natürlich, das einfache Volk will keinen Krieg; weder in Russland, noch in England, noch in Amerika, und ebenso wenig in Deutschland. Das ist klar. Aber schließlich sind es die Führer eines Landes, die die Politik bestimmen, und es ist immer leicht, das Volk zum Mitmachen zu bringen, ob es sich nun um eine Demokratie, eine faschistische Diktatur, um ein Parlament oder eine kommunistische Diktatur handelt. … das Volk kann mit oder ohne Stimmrecht immer dazu gebracht werden, den Befehlen der Führer zu folgen. Das ist ganz einfach. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land.“ (S. 270)

Aus: Nürnberger Tagebuch / von G.M. Gilbert. Ehemaliger Gerichts-Psychologe beim Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher. Aus dem Amerikanischen übertragen von Margaret Carroux … – Fischer: Frankfurt a.M., 1962. – 455 S. (zitiert nach Helga Trauen)

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