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…wohnten früher jene Bürger der DDR, die keine Möglichkeit zum Empfang des Westfernsehens hatten. Verfolgt man jedoch die aktuelle Wirtschaftsberichterstattung großer Medien hierzulande (z.B. hier), drängt sich einem der Verdacht auf, daß sich dieses Tal heute auf ganz Deutschland ausgebreitet hat. Aber zum Glück gibt es ja nun das Internet. Auch bei uns. Und so kann man im britischen Telegraph Erstaunliches zum leidigen Dauerbrennerthema Griechenlandkrise erfahren (Der Handelsblatt-Autor Norbert Haering gibt in seinem Blog eine gute deutsche Zusammenfassung):

Danach hat ein Teil der IWF Führung zugegeben, den Fiskalmultiplikator bei seiner Planung der Griechenlandmaßnahmen völlig falsch eingeschätzt zu haben. (Der Multiplikator gibt an, um wie viel die Wirtschaftsleistung sinkt, wenn man die Staatsausgaben zum Beispiel um eine Milliarde kürzt.) Das heisst, die “Griechenlandrettung” basiert bis heute auf völlig falschen wirtschaftswissen-schaftlichen Annahmen.

Ein weiterer Teil des IWF, samt der kompletten Berliner Koalition möchte jedoch weiterhin blind in die Katastrophe sparen: Dabei werden Rentenkürzungen und Umsatzsteueranhebungen verlangt, die zusammen in diesem Jahr ein Prozent des Bruttoinlandsprodukt ausmachen und zwei Prozent im nächsten Jahr, obwohl die Wirtschaft schon dabei ist, in eine neue Rezession abzugleiten.“

Das große Problem dabei ist überdies der Euro, der in Griechenlands Krise wie eine Auslandswährung wirkt. Es konnte nicht wie sonst bei den Programmen des IWF zu den harten Sparmaßnahmen auf der anderen Seite die Erleichterung eines Schuldenschnitts und einer Abwertung geben.

Ist das fünfjährige Elend dann nur der Dummheit der Institutionen geschuldet? Pikanterweise finden sich laut Telegraph in den nun zugänglichen Protokollen des IWF zu den Sitzungen im Rahmen der Griechenlandrettung 2010 Hinweise für eine gezielte Stützung des Euro und Französischer bzw. Deutscher Banken zu Lasten von Griechenland:

„Das erste Rettungspaket habe noch mehr Schulden auf die schon überlasteten Schultern eines bankrotten Landes geladen“, so der Autor. Ziel war es augenscheinlich es einer großen französischen und einer deutschen Bank zu erlauben, mehr als 25 Mrd. Euro an fragwürdigen Forderungen an Griechenland an den öffentlichen Sektor abzugeben.( Folgerichtig verweigerten die Schwellenländer sowie die Schweiz dem Paket die Zustimmung.

Aufschlußreich der Vertreter Brasiliens: „Schuldenrestrukturierung hätte auf den Tisch gehört“, damit das Paket nicht als Rettungspaket für Griechenlands private Gläubiger einzustufen ist.

Nahezu prophetisch war damals Arvind Virmani, der IWF-Vertreter Indiens: „Das Ausmaß der Sparmaßnahmen ohne jede geldpolitische Kompensation ist ohne Beispiel. Selbst wenn das Programm erfolgreich umgesetzt würde, könnte es eine Deflationsspirale aus fallenden Preisen, fallender Beschäftigung und fallenden Staatseinnamen auslösen, die am Ende das Programm selbst unterminiert.“

Es war also nicht so, dass niemand geahnt hätte, was passieren würde. Aber die französischen und deutschen Banken waren eben wichtiger.

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