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Heute startet Mario Draghi (EZB Chef) sein Aufkaufprogramm für Staatsanleihen, das europäische „QE“ (Quantitative Easing). Mit der letzten Patrone im Revolver versucht der EZB Chef verzweifelt, die Liquidität zu erhöhen und die Deflation im Euro-Raum zu bekämpfen. Kritiker bezweifeln bereits jetzt die Wirksamkeit dieser letzten Maßnahme, da auch bereits die Zinssenkungen auf z.T. unter null keine Wirkung gezeigt haben.

Allerorten wird bereits über die „Enteignung der Deutschen Sparer“ lamentiert. Eigentlich ziemliche unzutreffend, denn niemandem wird etwas genommen (nur Großkunden droht aktuell ein Negativzins). Doch die Bürger haben sich an die jahrzehntelangen Zinssätze von 3-6 Prozent gewöhnt. Schluss mit dem Zinseszinseffekt und all den rosigen Versprechungen der Finanzberater über satte Zuwächse allein durch abwarten und weitersparen.

Betrachten wir den Nullzins mal marktwirtschaftlich: Der Wert einer Ware – oder eben auch des Geldes- hängt an der Nachfrage: Stark nachgefragt, oder sehr knapp: Preis hoch. Keiner will’s haben, oder im Überfluss vorhanden: Kostet nichts. Ergo scheint momentan das Geld wohl im Überfluss vorhanden zu sein bzw. keine Nachfrage zu bestehen. Sofort entlarvt wird damit dann auch das ständige Gejammere der Unternehmer, sie könnten nichts investieren, da die Steuern so schrecklich hoch seien als windiger Trick mehr Geld für das Spielkasino zu bekommen.

Doch wo kommt das ganze Geld her? Klar die Notenbanken drucken es. Naja, nicht physisch, sie kaufen Staatsanleihen. Klar, die Staaten sind ja überschuldet (aufgrund der Bankenrettung natürlich, aber die Verschuldung begann schon vorher). Aber wer gab den Staaten zuerst Kredit? Da könnte es einen recht potenten Gläubiger geben, der sogar vom Staat verpflichtet wurde, vor allem in „sichere“ Staatsanleihen zu investieren: Die Versicherungswirtschaft!

Haben vielleicht die Pensionskassen gar keinen Grund zur Klage über zu niedrige Zinsen? Sind sie vielleicht selbst ein Grund zur Klage? Die relativ neue Institution der steuerlich subventionierten Altersvorsorge im Kapitaldeckungsverfahren ist nämlich einer der wichtigsten Treiber der „Geldschwemme“, welche z.B. die Schweizer Notenbank fälschlicherweise den internationalen Notenbanken zuschreibt. Gemäß der Global Pension Assets Study 2015 von „Towerswatson“ liegen allein in den Vorsorgesystemen der 16 wichtigsten Länder Ersparnisse im Marktwert von 36.000 Milliarden US-Dollar. Nochmal: 36 Billionen US-Dollar!

Diese 36 Billionen wollen angelegt sein und sollen dann auch noch Gewinn erwirtschaften. Nun erwirtschaftet Geld natürlich nichts, sondern es sind die Bürger, die Werte schaffen, Banken verteilen nur um. Ist es da nicht die logische Folge, daß die Bürger bzw. deren Staat irgendwann mal in Schulden ersaufen und nicht noch mehr Erspartes zur Alterssicherung anderer Leute als Schulden aufnehmen können? Und schon einmal daran gedacht, daß in Zukunft immer weniger Arbeitende die Staatsanleihen der Versorgungskassen bedienen müssen?

Ich meine: Wir haben genau das gleiche demographische Problem wie bei der Umlagefinanzierten Rente, nur das on Top noch die Gewinne der Versicherungswirtschaft abgezweigt werden müssen. Der Vorteil wäre theoretisch, daß Staatsanleihen auch aus Kapitalertragssteuern statt ausschließlich aus dem Lohn der Erwerbsarbeit bedient werden könnte. Mit etwas Willen ließe sich das sicher auch im Umlageverfahren umsetzen, z.B. über einen Steueranteil zur Rentenversicherung. Aber im Ernst, wie realistisch ist das? Wir wissen ja, das Kapital, ein scheues Reh…..

Zum weiterlesen: Die Vorsorge als Spielcasino, Artikel von Werner Vontobel 

Ceterum censeo: Schafft Kapitalverkehrskontrollen!

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